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Datenplattformen als Enabler für den erfolgreichen Wandel urbaner Mobilität

Philipp Auer, 09. November 2020

Im September 2020 trafen sich führende Vertreter der deutschen Mobilitätsbranche im Kanzleramt zum Autogipfel, um die Bereitschaft der Teilnehmer für eine nationale Datenplattform zu sondieren (siehe Handelsblatt vom 07.09.20). Für den nächsten Gipfel im November sollen bereits konkrete Ansätze für die Umsetzung eines Datenraums Mobilität im Fokus der Diskussionen stehen. Bisher gibt es jedoch aus der Automobilbranche gegenüber der Teilnahme am Datenraum Mobilität Vorbehalte – insbesondere scheinen einige Vertreter der Branche nicht davon überzeugt zu sein, den wahren Wert ihrer Daten durch Beitritt zu dieser Datenplattform in einen angemessenen Nutzen zu überführen (siehe Handelsblatt vom 28.10.20). Dabei steht die Branche vor massiven Veränderungen, denn Städte wollen die Dominanz des Automobils im städtischen Verkehr brechen und andere Verkehrsmodi begünstigen. Doch der Mobilitätswandel ist ein umfangreiches und zähes Unterfangen (siehe Grafik 1).

Grafik 1 | Quelle: Eigene Darstellung nxt statista

Was treibt den Mobilitätswandel an?

Die "moderne" Mobilität hat sich seit der Erfindung des Automobils deutlich weiterentwickelt. Heute spricht man gerne von Mobilität 4.0. Gekennzeichnet ist diese von vier zentralen Merkmalen.

Grafik 2 | Quelle: Eigene Darstellung nxt statista

Dass die heutige Mobilitätswende im städtischen Kontext alle Voraussetzungen für die zuvor genannten Merkmale mitbringt, ist auf zwei Effekte zurückzuführen: die anhaltende Digitalisierung und den Klimawandel.

Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass sich das Mobilitätsverhalten in Städten massiv verändert. Vernetzte Fahrzeuge, die allgegenwärtige Nutzung von Smartphones und die immense Rechenpower in der Cloud haben neue Angebotskategorien geschaffen. Anstelle des Besitzes ist die temporäre Nutzung von Verkehrstypen getreten - die kollaborative Nutzung von Mobilitätsangeboten rückt als Sharing Economy in den Fokus.

Gleichzeitig verschärfen sich die globalen klimatischen Umstände. Der Verkehr ist immer noch eine wesentliche Quelle für Treibhausgasausstoß. Daher versuchen Städte aktiv die dominante Rolle des Automobils zurückzudrängen. Die Mobilität 4.0 bringt hierbei alle technischen und inhaltlichen Voraussetzungen mit, um den Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität erfolgreich zu gestalten. Viele Städte testen und fördern bereits neue Verkehrskonzepte, bspw. um durch die Sharing Economy Verkehrsmodi deutlich effizienter zu nutzen. Städte ziehen dieses Vorgehen meistens noch der ultima ratio vor: innerstädtische Fahrverbote oder eine City-Maut.

Welche Bedeutung haben Daten hierbei?

Der zuvor beschriebene Wandel im Mobilitätsverhalten bedingt eine immense Menge an Daten. Daten sind so etwas wie der Treibstoff für die Mobilität 4.0 und mit der Erschließung neuer Datenquellen beschleunigt sich dieser Wandel. Hierbei werden Daten nicht nur zur Effizienzsteigerung herangezogen, sondern sind zunehmend Ausgangspunkt für ganz neue Geschäftsmodelle. Eine besondere Rolle spielen hierbei Mobilitätsdatenplattformen, die den Datenaustausch fördern und so innovative Geschäftsmodelle entstehen lassen sollen. Auf Grund der hohen Bedeutung des Mobilitätssektors, versucht der Staat selbst eine starke Rolle einzunehmen, in dem er genau solche Mobilitätsdatenplattformen entstehen lässt (siehe bspw. den MDM - Mobilitäts Daten Marktplatz der BASt oder der aktuell in der Entstehung befindliche Datenraum Mobilität ). Ziel ist es über den Datenaustausch innovative Ideen zu fördern, um letztlich übergeordnete, öffentliche Interessen sicherzustellen.

Relevante Mobilitätsdaten findet man für jeden Verkehrstypen - die Frage ist meist nur, ob der Zugriff auf die jeweiligen Datenpunkte durch die öffentliche Hand ermöglicht wird oder es sich um privatwirtschaftliche Daten handelt. Im letzten Fall werden diese Daten meist nicht ohne (monetäre) Gegenleistung zur Verfügung gestellt oder aus strategischen Aspekten heraus Dritten nicht zugänglich gemacht.

Unsere Grafik 3 zeigt, dass verfügbare Mobilitätsdaten bereits sehr vielfältig sind und sich entlang der verschiedenen Verkehrsmodi Auto, ÖPNV, Rad/ E-Scooter und Fußgänger identifizieren lassen. Hinzu kommen noch Daten smarter Infrastruktur, die bspw. im Rahmen intelligenter Verkehrsführung an Bedeutung gewinnt.

Grafik 3 | Quelle: Eigene Darstellung nxt statista

Welche Rolle spielen Datenplattformen für den Mobilitätswandel?

Daten, die bereits heute ein großes Interesse wecken, sind insbesondere die Informationen, die von den Automobilherstellern erfasst werden. Solche Daten sind nicht nur für die OEMs selbst von Interesse, sondern sind schon heute auch Basis für Versicherungen, um rabattierte Telematik-Tarife anzubieten. An anderer Stelle zeigt sich, wie Daten an sich neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Mit Wunder City hat Wunder Mobility beispielweise ein Produkt im Portfolio, das Städten mehr Transparenz über verfügbare private Mobilitätsangebote schafft. Die visuelle Aufbereitung in einem Dashboard bietet dabei die Möglichkeit, mit den richtigen Daten notwendige Analysen durchzuführen und Erkenntnisse bspw. in städtebauliche Planungsprozesse einfließen zu lassen. 

Mit Blick in die Zukunft ist davon auszugehen, dass urbane Verkehrsherausforderungen sich nicht mit "der einen Idee" lösen lassen. Vielmehr werden eine Vielzahl von Innovationen notwendig sein, um urbane Mobilität stärker auf Nachhaltigkeit auszurichten. Dabei nehmen Städte eine besondere Rolle ein, da sie mit ihren städtebaulichen Planungsprozessen massiv auf diese Entwicklung einwirken können – hierzu müssen sie jedoch wissen, was in ihren Städten konkret passiert und wie sich das Mobilitätsverhalten ändert. Letztlich geht es um mehr Transparenz durch Daten. Eine wichtige Kennzahl, zu der es heute keine regelmäßigen Updates gibt, ist der Modal-Split – von größeren Städten wird diese Information auf Grund des hohen manuellen Aufwands nur alle 5-6 Jahre erhoben. Wären Städte in der Lage die in Grafik 3 genannten Quellen und Daten datenschutzkonform zusammenzuführen, könnte bspw. in kürzeren Abständen geprüft werden, ob sich durch Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen der gewünschte Effekt im Nutzungsverhalten der Bürger einstellt und sich dies schließlich im Modal-Split widerspiegelt.

Auch Zielgruppen aus der Privatwirtschaft würden von einer Mobilitäts-Datenplattform profitieren – durch Daten könnten sie neue innovative Produktangebote entwickeln und so die Nachfragestrukturen verändern. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, einen wirklich umfassenden, zentralen Austauschpunkt für Mobilitätsdaten im Markt zu etablieren. Die bisherigen Ansätze missen meist typische Erfolgsfaktoren von Datenplattformen: einen klaren Kunden- und Nutzenfokus, eine hohe Usability, weitere Datenanreicherung durch Sekundärdaten und Analysemöglichkeiten, sowie eine attraktive Preisstruktur für alle Beteiligten. Von Vorteil wäre es die Reziprozität einer Datenplattform in den Fokus zu stellen: Datenverkauf und Dateneinkauf durch den selben Marktplatzteilnehmer. Hierdurch könnten auch zuvor aus strategischen Gründen zurückgehaltene Daten verfügbar gemacht werden. Die zu erwartenden Geldflüsse könnten sich dabei an festen Preisen je Abruf, dem Spotify-Ansatz über Royalty-Pools bis hin zu Gegenschäften orientieren.

Solange jedoch von der öffentlichen Hand vorangetrieben nur ein Marktplatz entsteht, der einen kleinen Ausschnitt der möglichen Mobilitätsdatenwelt abbildet oder die Teilnehmer mit einer nicht marktgerechten Vergütung zur Teilnahme bewegen möchte, werden weitere Versuche auf lange Sicht scheitern.

Sollten Sie mit ihrem Unternehmen Mobilitätsdaten generieren oder auf diese für operative Prozesse angewiesen sein, kommen sie gerne auf uns zu. Mit unseren erfahrenen Beratern und unserem Data Science Team sind wir nicht nur in der Lage die strategische Wertigkeit ihrer Daten zu bestimmen, sondern auch zu evaluieren, mit welchen Daten sie eigene Abläufe optimieren könnten.

Quellen

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